Mushtaq Shiekh: Shah Rukh Can – Das Leben des Superstars Shah Rukh Khan

Ich war mit Shah Rukh Khan im Bett!

….und das Vergnügen kann jetzt jede(r) haben, denn endlich gibt es Mushtaq Shiekhs schwergewichtige Shah Rukh Khan-Bibel „Still Reading Khan“ in der kompakten Taschenbuch-Version. Auch Nicht-Anglisten können aufatmen und brauchen sich nicht mehr mit dem Wörterbuch durch die Abenteuer ihres Filmhelden zu kämpfen, denn jetzt kann man ein lesenswertes Buch über King Khan ganz entspannt auf Deutsch genießen. Bisher gibt es ja nicht so viele, die über die übliche Zusammenstellung von Bildern und alten Zeitschriften-Infos hinausgehen.

Mushtaq Shiekh hat sich in den letzten Jahren nicht nur einen Namen als Autor gemacht, sondern sich durch seine Filmbücher zu Devdas, Asoka, Om Shati Om und natürlich der Mega-Schwarte „Still Reading Khan“ zu so etwas wie SRKs persönlichem Chronisten entwickelt. Warum jetzt also noch mal „Shah Rukh Can“? Das erklärt er im Vorwort: „…Er lässt sich immer noch nicht fassen. …Er kann machen was er will und noch ein wenig mehr. In der aktuellen Ausgabe zeigt sich dieses Gefühl; es handelt sich um eine aktualisierte, umgestaltete und leichtere Ausgabe von Still Reading Khan. Leichter natürlich in Bezug auf das Gewicht des Buches. Meine Mailbox war zum Überlaufen voll mit verstörten Lesern, die sich beschwerten, dass sie Shah Rukh nicht mit ins Bett nehmen konnten. Das Buch mit seinen vier Kilo und den breiten Schultern, meine ich.“.

Das Buch ist weniger eine klassische Biografie als eher der Versuch, das Phänomen Shah Rukh Khan zu verstehen und zu erklären. Natürlich betreibt Mushtaq Shiekh Ursachenforschung für den Erfolg, den Shah Rukh Khan hat obwohl er nach eigenen Aussagen ein eher durchschnittlich aussehender, durchschnittlicher Schauspieler ist. Also gibt es von der Bollywood-reifen Liebesgeschichte von Shah Rukhs Eltern angefangen, reichlich Biografisches, aber nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge. Das hat den Vorteil, dass man praktisch überall im Buch anfangen kann zu lesen und abgeschlossenen Kapitel und Themen findet. Der Nachteil ist, dass es zu Wiederholungen kommt, weil bestimmte Ereignisse in Shah Rukh Khans Leben in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder auftauchen. Aber wen stört´s, wenn man einen Autor hat, der sich zumindest sehr viel Mühe gibt sich mit seinem (Lieblings-) Star intensiv auseinanderzusetzen. Vielleicht geht er sogar manchmal zu sehr ins Detail und wenn er sich im Kapitel „Heiße Küsse und knisternder Sex“ fast schon filmwissenschaftlich mit „dem Blick“ beschäftigt, blieb für mich der Entertainment Faktor etwas auf der Strecke und so richtig knistern tut da nix. Auch die minutiöse Analyse des Khanschen Film-Schaffens ist etwas dröge, aber ein Sprung zu Shah Rukh Khans eigener DDLJ-kompatiblen Lovestory rettet mich vorm Einnicken. Insgesamt etwas mehr Klatsch und Tratsch statt analytischer Genauigkeit hätte mir persönlich ganz gut gefallen, aber ich bin in der Beziehung auch eher schlicht.

Dazu gibt es Exklusiv-Interviews mit Shah Rukh und Zitate und Meinungen vom Who ist Who aus Bollywood zu SRK und alles in allem ist Shah Rukh Can ein absolutes „must have“ für Fans und alle, die es noch werden wollen.

Die Erstauflage enthält zudem exklusiv eine DVD mit der Dokumentation „The Inner/Outer World of Shah Rukh Khan.

Copyright 2009 Barbara Stiller All rights reserved. Abdruck gegen Gebühr.

King of Bollywood: Shah Rukh Khan and the Seductive World of Indian Cinema
von Anupama Chopra, 2007

Eine analytische Geschichte des indischen Kinos oder doch ein analytischer Roman?

Was verspricht man sich von einem Buch, das als das ultimative Buch über das indische Kino angeboten wird und zeitgleich die Geschichte seines Superstars erzählen soll?
Richtig, man erwartet Neuigkeiten. Dinge, die man als Fan bisher nicht wusste. Mit anderen Worten, man erwartet, dass aus dem Nähkästchen geplaudert wird und man ständig sagt: 'Das habe ich nicht gewusst'.

So ein Buch ist King of Bollywood: Shah Rukh Khan and the Seductive World of Indian Cinema von Anupama Chopra. Bisher nur auf englisch erhältlich und trotzdem in der deutschsprachigen Fangemeinde von Shahrukh Khan das wohl meistgelesene Buch des Jahres. Was ist zu sagen über das Buch, außer das die Kritiken durchweg positiv sind und die meisten bisher überlegen, ob sie die deutsche Ausgabe, die im Januar erscheinen soll auch noch kaufen?

Wie der Titel schon vermuten lässt, hat das Buch zwei Themen oder sollte zumindest zwei Themen haben. Einmal die Geschichte des indischen Kinos und zum anderen eine Art Biografie von Shahrukh Khan. Das Ganze ist miteinander verwoben, was verständlich ist, ist doch Shahrukh Teil der indischen Filmindustrie. Das Buch umfasst 17 Kapitel in denen Shahrukhs Werdegang dargestellt wird. In den einzelnen Kapitel sind indische Geschichte, Filmgeschichte und natürlich Shahrukhs Geschichte verbunden, weshalb es innerhalb eines Kapitels schonmal zu Zeitsprüngen zwischen dem heutigen Kino und den Anfängen oder den goldenen Zeiten der 50er kommt. Es werden andere große Stars des indischen Kinos herausgehoben, wie Dilip Kumar oder Amitabh Bachchan. Dann wieder findet man sich in der neueren Zeit wieder und es geht um Shahrukh. Kurz wird sein privates Leben angeschnitten, der Tod seines Vaters, der Entschluss Schauspieler zu werden, das Werben um Gauri, seine Ehefrau. Dann geht es um seine Anfänge beim Theater, dem Wechsel zum Fernsehen und schließlich der Beginn seiner Karriere in Bollywood. Alles ist knapp gehalten und gespickt mit Anekdoten die seine Freunde und Kollegen zum Besten gegeben haben, um das Buch zu füllen. Das Buch ist also informativ und man erfährt eine Menge über Indien, sein Kino und seine Ikone.

Wenn...ja wenn man die Hälfte nicht schon wüsste!

Denn was ein echter Fan ist, der kennt Shahrukhs Biografie auswendig. Er kennt jede einzelne Station seiner Karriere und seines Lebens. Und seien wir ehrlich, die Leute kaufen das Buch wegen Shahrukh, weil sie etwas über ihn erfahren wollen. Die wenigsten haben das Buch gekauft, weil sie was über die indische Geschichte erfahren wollten und was es mit der Teilung von Indien und Pakistan auf sich hatte. Und da die meisten der eingeschworenen Fangemeinde Tag ein Tag aus in diversen Foren unterwegs sind, gibt es fast keinen Text oder Artikel den sie nicht gelesen haben. Ja, es gibt unzählige Leute, die alte Filmmagazine sammeln und Unmengen an Geld ausgeben, um eine Filmfare von 1996 zu kaufen. Ich gehöre zwar nicht zu letzterer Gruppe, aber doch zu denen, die Shahrukhs Biografie kennt und Unmengen von Texten und Artikeln gelesen hat. Und als solcher sitzt man dann mit seinem Buch da und liest und denkt bei jedem zweiten Satz, das habe ich so doch schon mal gelesen. Man bekommt den Eindruck, das Buch bestehe nur aus einer Zusammenfassung schon einmal geschriebener Texte, fleißig zusammengesammelt und aneinander gereiht und natürlich gespickt mit Geschichte und Vergleichen von früher und heute. Das sind dann die Teile wo man sagt: 'Das wusste ich ja gar nicht' Und doch ist auch das rar, denn selbst in den Artikeln die so im Internet kursieren wird häufig der Vergleich gezogen. Wie sich der Wandel in der indischen Filmindustrie vollzogen hat, von einem 'Adel', wo wenige Dynastien die Industrie regierten, zu einer Industrie wo auch Außenseiter aufsteigen können und den Thron einnehmen, um zu herrschen.
Einzig das Kapitel über die Machenschaften der Mafia ist neu oder zumindest habe ich wenig darüber gelesen. Wer sich mit Filmgeschichte beschäftigt, für den dürfte vielleicht nur neu sein, was Shahrukh mit dem einen oder anderen Mafiaboss zu schaffen hatte.

Das Buch gibt sich den Anschein analytisch zu sein. Es beleuchtet die Aspekte des indischen Kinos, hier und da die Geschichte der Teilung Indiens, und versucht auch Shahrukhs Karriere zu beleuchten. Aber Analyse bedeutet, am Ende gibt es ein Ergebnis, eine Beurteilung, eine Meinung. Und die fehlt. Außer der Meinung, dass Shahrukh der King of Bollywood ist, was man aber ja schon zu Beginn des Buches weiß. Es wird nur nicht gesagt, warum das so ist. Was an ihm so anders ist, dass er als 'Unadliger' diesen Thron besteigen konnte. Dazu kommt, dass der Schreibstil sehr an einen Roman erinnert. Ob es jetzt daran liegt, dass es recht einfach geschrieben ist oder an der ganzen Lobhudelei auf Shahrukh, ist schwer zu sagen. Es fehlt einfach der Abstand, den ein Journalist eigentlich haben sollte. Es kommt einem so vor, als habe sich ein Fan hingesetzt und angefangen zu schreiben. Von einem Buch, das ein Journalist schreibt, erwartet man Objektivität. Dadurch verliert sich der Analyseanspruch den der Titel meiner Meinung nach erhebt.

Was durch kommt, ist die typische Geschichte, die in jeder Biografie eines erfolgreichen Menschen steht. Am Anfang hat keiner sein Talent gesehen, er war nur Durchschnitt, der Klassenclown und kam trotzdem durch seinem Charme mit allen Streichen durch. Und dann...ja dann kam eines Tages der richtige Mann, der das Potential gesehen hat und ihn fördert. Und schon ist ein Superstar geboren. Wie aber kann aus einem Mann, der zu Beginn eher wenig Ehrgeiz besessen hat jemand werden, der nicht zu Awardverleihungen geht, wenn er nicht nominiert ist? Diese Frage klärt sich auch in diesem Buch nicht und im Grunde könnte man den Namen einfach austauschen und hätte schon die nächste Biografie in der Hand.

Interessant sind die Aspekte über das indische Kino und die indische Geschichte, da aber diese Themen doch eher Randthemen sind und auch nur im Zusammenhang mit Shahrukh und seiner Familie erwähnt werden, sind sie eher oberflächlich. Um mehr zu erfahren, müsste man weitere Bücher heranziehen.

Was ist also das Fazit nach 200 Seiten? Für jemanden der den Namen Shahrukh Khan mal gehört hat und mehr wissen möchte, ist das Buch eine gute Möglichkeit sich zu informieren ohne Stunden vor dem PC zu hocken, denn er bekommt einen Eindruck vom Leben und Wirken des Superstars und nebenbei eine Grundeinführung in die indische Geschichte und Filmindustrie.
Wer mehr über das indische Kino erfahren möchte oder sich Neuigkeiten über seinen Superstar erhofft hat, der ist enttäuscht, weil es das einfach nicht bieten kann.

Warum die Fans nicht enttäuscht sind, liegt wahrscheinlich daran, dass sie genau das erwartet haben. Eine Zusammenfassung und eine Lobeshymne auf ihren King Khan.

King of Bollywood: Shah Rukh Khan and the Seductive World of Indian Cinema ist also ein reines Fanbuch, aber ungeeignet für kritische Leser mit Anspruch auf Neuigkeiten.

Copyright 2007 Michaela Scheibel @ www.focus-bollywood.de All rights reserved. Abdruck gegen Gebühr.